Pflegehund Alio von der Insel Kreta

Am 02.07.2014 bekam ich eine WhatsApp mit einer Adresse in Hannover und einen Termin. Die vorigen Pflegehunde, Pina und Loni, kamen am Flughafen an und wurden dort von mir geholt. Ich dachte mir erstmal nichts. Am Treffpunkt angekommen, kam mit etwas Verspätung, ein PKW mit Alio und seinen angeblichen 5 Geschwistern an.

Alle sechs Hunde lagen ungesichert und teils sehr teilnahmslos im Kofferraum und auf dem Rücksitz des Autos. Einfach so, ohne Boxen oder ähnliches. Angeblich landeten die Hunde in Berlin am Flughafen und wurden dann von den "Fahrern" nach Hannover gebracht. Bis heute weiß ich nicht, ob das der Wahrheit entspricht.

Die Hunde wurden aus dem Auto getragen, da sie vor Angst und körperlicher Schwäche nicht in der Lage waren zu laufen. Nun standen wir alle in einem Hausflur und das Drama begann.... Die Impfpässe passten nicht zu den Chipnummern der Tiere. Manche Daten waren vertauscht, andere vollkommen falsch. Wie kamen die Hunde nach Deutschland??? Wird an Flughäfen tatsächlich so schlecht kontrolliert??? Oder kamen sie illegal mit dem Auto??? Waren die Impfpässe vielleicht gefälscht???

Niemand von dem Verein hatte eine Ahnung an dem Tag.... Ich kannte das so bisher nicht. Es war nichts geregelt. Es stand nicht fest, wer welchen Hund zur Pflege bekommt und dann waren da noch Interessenten, die gleich an dem Tag einen Hund mitgenommen haben, einfach so, ohne Vorkontrolle. Und keiner der Interessenten wusste, dass sie einen kranken Hund aufnehmen werden.

Mittlerweile war es spät in der Nacht und wenn ich ehrlich bin, wollte ich einfach nur noch nach Hause. Nachdem endlich feststand welchen Hund ich in Pflege nehme, machte ich mich recht zügig auf den Heimweg. Mein Pflegehund war Alio, angeblich 9 Monate alt, Collie-Mix, kastriert, lieb und zutraulich.

Schon im Auto merkte ich wie von hinten Flöhe zu mir nach vorne sprangen. Super, dachte ich... Zuhause angekommen war Alio noch immer nicht in der Lage zu laufen. Laut Verein sei Alio müde vom Beruhigungsmittel. Das glaubte ich auch erstmal. In der Nacht machte ich nichts mehr, außer ihm Wasser anzubieten und ihm ein Spot On zu verabreichen. Weder in der Nacht, noch am Morgen trank er. Er konnte noch immer nicht aufstehen. Er fraß nichts, aber trank dafür im Laufe des Tages etwas. Tagsüber habe ich ihn immer mal wieder aufgerichtet, er sank einfach wieder zusammen, immer und immer wieder. Der Flohbefall war enorm, von den Zecken mal ganz zu schweigen. Ich hatte zuvor noch nie gesehen, dass Zecken in Nestern zusammen sitzen. Mindestens 40 Stück an einer Stelle, auf dem ganzen Hund verteilt.

Am nächsten Tag verbesserte sich sein Zustand noch immer nicht und mir wurde klar, dass ich etwas unternehmen musste. Ich rief beim Verein an und teilte ihnen mit, dass ich nun mit dem Hund zum Tierarzt fahren werde. Das wurde mir in einem Telefonat verboten, weil keine Kosten entstehen sollten. Ich bin trotzdem hin, es ging nicht mehr anders. Es stellte sich heraus, dass Alio zwei Mittelmeerkrankheiten, Ehrlischiose und Babesiose, hatte. Bis heute habe ich nichts von dem Geld in Höhe von 180,- EURO zurück bekommen, Das waren die Kosten für Bluttest, Spot On, Wurmkur, Antibiotikum und eine neue Impfung (zur Sicherheit, falls die Angaben im Pass auch nicht stimmen. (Das ist übrigens der Preis, den der Verein für Alio als Schutzgebühr bekommen hat. Guter Verdienst, keine Ausgaben). Soweit es möglich war, ließ ich Alio ärztlich behandeln. Ich schnitt ihm die Haare, um die Flöhe und Zecken leichter beseitigen zu können.

Ich wusste damals nicht was ich fühlen soll... Wut? Trauer? Unverständnis? Oder purer Hass? Ich glaube in dem Moment war es von allem etwas.

Ich stand im ständigen Kontakt mit der Vorsitzenden des Vereins, Frau W. All meine Fragen wurden ignoriert. Wieso steht im Impfpass Alio sei kastriert, wenn er Hoden hat? Woher stammt Alio? Diese und viele weitere Fragen blieben bis heute unbeantwortet.

Ich habe durch die unermüdliche Suche auf eigene Faust herausgefunden woher Alio stammt. Er lebte mit seinen "Geschwistern", die übrigens alle unterschiedliche Geburtsdaten im Pass hatten, bei einer angeblichen Tierschützerin auf Kreta, die im letzten Jahr noch eine Homepage hatte, die sich mit dem Namen Paradies schmückte. Passend für einen Ort, wo Hunde in ihrer eigenen Scheiße leben und auch sonst nur notdürftig versorgt werden. Alle Hunde zusammen (um die 200 Hunde), nicht kastriert, überall Unrat, Müll und Verletzungsgefahren. Ich werde das Bild nie vergessen. Nun wurde mir einiges bewusst und mir wurde klar, wieso aus seiner Herkunft so ein Geheimnis gemacht wurde!

Neben den Mittelmeerkrankheiten glaube ich, dass er sich einfach aufgegeben hatte. Meine beiden eigenen Hunde zeigten Alio, dass Menschen gut sein können und halfen mir auch, ihm zu zeigen, wie schön ein Familienleben sein kann. Nach etwa einer Woche ging es ihm körperlich besser.

Nach ein paar Wochen war Alio laut Verein bereit zur Vermittlung. Der Vermittlungstext war der Hammer! Der in Wahrheit kranke, vorsichtige Hund wurde als perfekter Familienhund und ideal für kleine Kinder beschrieben, nur um mal eine falsche Tatsache zu nennen. Nur durch meinen Druck wurde der Text korrigiert. Das war mir sehr wichtig, denn nur durch die Wahrheit kann man Menschen finden, die tatsächlich bereit sind, einen solchen Hund aufzunehmen. Als Kontaktperson war nicht ich in der HP des Vereins angegeben, sondern ein Mitglied des Vereins, die mit Alio nichts zu tun hatte... Wieso?? Wer kannte ihn besser als ich? Das ging dann auch gleich in die Hose.

Es wurden Interessenten angekündigt, die ihn sehen wollten. Eine Frau, alleinstehend aus Hamburg, Vollzeit berufstätig. Der Hund sollte plötzlich, neben seinen Mittelmeerkrankheiten und der gerade erst angefangenen Resozialisierungsphase, täglich 10 Stunden allein bleiben. Laut Verein war die Frau perfekt. Da fasse ich mir heute noch an den Kopf! Natürlich gab ich ihr Alio nicht mit.

Übrigens litten alle Hunde, die am dem Tag ankamen, an den Mittelmeererkrankungen, einer ist entlaufen und bis heute nicht wieder gefunden worden. Das weiß ich jedoch nicht vom Verein, denn der schweigt weiterhin. Ich traf andere Pflegestellen auf einem Sommerfest des Vereins. Wie schon erwähnt, haben wir selber zwei Hunde, eine Katze und zu dem Zeitpunkt noch zwei Fundkatzen (ca. 5 Wochen alt), die vollkommen schutzlos ohne Impfung diesem kranken Tier ausgesetzt waren. Wir hätten Alio in jedem Fall aufgenommen, aber der Verein hätte uns informieren müssen! Alleine schon um unsere eigenen Tiere und die Fundkatzen zu schützen!

Meiner Meinung nach ging es dem Verein nur um Geld. Kranke Hunde mit Flugpaten nach Deutschland zu bringen, anfallende Tierarztkosten nicht zu übernehmen, und die Tiere dann hier teuer und ohne Informationen unter die Leute zu bringen, ist definitiv nicht die feine Art! (Die Flüge werden durch Spenden finanziert, jedoch werden wohl die Hunde durch Flugpaten verbracht und es fallen „nur“ Transportkosten an.)

Nun beginnt das Happy End: Es kamen Leute, die sich sofort in Alio verliebten und er sich auch in sie. Und es war definitiv richtig Alio diesen Menschen anzuvertrauen. Wir stehen noch immer in ständigem Kontakt und es freut mich immer wieder wie super sich dieses Häufchen Elend entwickelt hat.

Alio bei der Ankunft. So lag er mehrere Tage.
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Alio nach vier Wochen, als nun glücklicher Hund
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Das erste Mal spielen
Mein Bild

Bemerkung von Daniela Albert:

Meiner Meinung nach ist in diesem Fall ganz klar davon auszugehen, dass die Tiere nicht nach den gesetzlichen Vorschriften eingereist sind, denn:

1. Laut dem griechischen Tierschutzgesetz 4039/2012 unterlag diese Verbringung den Bestimmungen der Richtlinie 92/65/ EWG – mehr als fünf Hunde – abgesehen davon, dass dieser Verein durch die Anzahl der sonst noch vermittelten Tiere stets unter diesen Vorraussetzungen handeln müsste.

2. Da es anscheinend auch Strassentiere waren, die bereits in GR von einer Tierschützerin eingesammelt wurden, ist es laut gr. Gesetz 4039/2012, Artikel 9, Abs. 8 verboten, Tiere auszuführen ohne das diese kastriert sind. Quelle: Staatsanzeiger 15/EK A 15

3. Bei diesem Zecken und Flohbefall kann man nicht davon ausgehen, dass eine tierärztliche Genehmigung 24 Std. vor Reiseantritt vorgelegen hat.

4. Und wenn die Hunde tatsächlich mit Flugpaten nach D verbracht wurden, wo sind die Transportboxen abgeblieben?

5. Wenn die Berichterstatterin mit Alio keinen Tierarzt aufgesucht hätte, hätte sie sich nach § 2 Abs. 2 strafbar gemacht. Dies kann mit einer Ordnungswidrigkeit bis hin zur Straffälligkeit geahndet werden.