Mein erster Pflegehund, den man mir zur Adoption versprach

Wie bereits im Vorwort erwähnt, fragte mich eine Bekannte ob ich für eine Woche einen Hund aus dem Ausland nehmen kann. Es lief auf die Schnelle eine Vorkontrolle, alles in Ordnung, Hund konnte kommen. Bis es soweit war, fragte man mich auch schon ob ich nicht noch einen zweiten Hund dazu nehmen kann. Klar, da wo einer passt, passen auch zwei, bzw. mit meinem eigenen Hund, dann drei.

Es war noch Zeit genug Halsbänder, Leinen und Körbchen zu besorgen. Es sollten jedoch Sicherheitshalsbänder sein. Kosten zwischen 40,- und 70,- Euro. Zwei Körbchen je 80,- Euro. Dann kam der Tag, die beiden Hunde, Beachboy-Pipi, nachfolgend nur noch Pipi genannt und Jonny zogen bei mir ein. Die beiden waren natürlich an dem Tag geschafft, der Flug von Griechenland nach Deutschland, Autofahrten, welche sie nicht kannten, fremde Menschen, fremde Umgebung, anderes Klima. Da braucht ein Hund schon eine Zeit, das alles zu verkraften. Jonny, ein junger Hund von einem dreiviertel Jahr, war wohl schon monatelang in einem Gehege eingesperrt. Er konnte nichts, nicht mal geradeaus laufen. Nach ein paar Wochen konnte ich ihn ohne Leine laufen lassen und er lief vor lauter Freude nicht hin und her oder gerade vor und zurück, nein, er konnte nur im Kreis laufen, so, als wäre er noch im Gehege.

Pipi, welcher eigentlich schon vermittelt gewesen sein sollte, war ca. zwei Jahre alt. Ein etwas vorsichtiger, sehr hübscher Rüde. Er hatte bereits einen Unfall in Griechenland, einen Bruch, der nie behandelt wurde, obwohl er von der Tierschützerin bereits als sehr junger Hund verpflegt worden war. Diese Tierschützerin hat den Hund mit dem frischen Bruch zwar dann bei sich aufgenommen aber hat sie sich auch wirklich um ihn gekümmert? Da Pipi nicht aufstehen konnte, machte er natürlich auch dort wo er lag sein Geschäft. Und weil er von der Tierschützerin am Strand aufgelesen wurde kam er so zu seinem Namen – Beachboy-Pipi.

Nun denn, der Bruch war bereits lange verheilt und Pipi war nun in Deutschland. Nach 2 Tagen erhielt ich eine Whatsapp von Frau S., die Dame, die die Vorkontrolle gemacht hat: "Ich komme morgen um 15 Uhr mit zwei Interessenten für Pipi vorbei". Wie gut das ich nichts vorhatte!!!

Frau S. und die beiden Interessenten kamen am nächsten Tag und blieben ca. 1 Stunde, fragten mich einiges über Pipi, so wie ich sie einiges fragte. In diesem Gespräch konnte ich mir ein Bild machen, beide Interessenten waren geeignet einen Hund zu halten. Aber nicht beide genau diesen Hund. Für eine der beiden Interessenten war Pipi aufgrund seines nicht behandelten Bruches nicht geeignet. Er hätte eine sehr steile Treppe hoch und runter laufen müssen und die Interessentin meinte, sie hat ihren vorherigen Hund, als er nicht mehr richtig laufen konnte, die Treppe in einer Vorrichtung runterrutschen lassen müssen. Dies teilte ich auch dem Verein mit als man mich fragte welchen Eindruck mir die beiden Damen vermittelten.

Dienstags bekomme ich die nächste Whatsapp: die Interessentin mit der steilen Treppe kommt gleich mal Pipi holen und fährt mit ihm zu ihrer Tierärztin und lässt ihn röntgen, dann braucht der Verein die Röntgenbilder schon mal nicht zu zahlen. Zur Info: Die Dame wohnte ca. 1,5 Std. Autofahrt von mir entfernt. Der Hund war zu dieser Zeit mal gerade 5 Tage in Deutschland und hatte Panik ins Auto zu steigen. Auf meine nochmals eindringlichen Hinweise, dass Pipi aufgrund der steilen Treppe nicht zu dieser Dame passt, hat man dann davon abgesehen.

Pipi wurde nach 12 Tagen an Familie G. vermittelt und man fragte mich ob ich eine andere Hündin zur Pflege nehmen könnte. Lucie, sie hat 2 gebrochene Beine und man suche dringend eine Pflegestelle, damit sie operiert werden könne. So zog Pipi aus und Lucie ein.

Zwei Tage später erhielt ich eine Whatsapp: Pipi ist seiner neuen Familie entlaufen! Er hat sich von der Leine gerissen! Ich fragte wer denn da die Vorkontrolle gemacht hat. Es hieß lapidar: keine Ahnung, irgendjemand aus einem anderen Verein. Ich nahm mir von der Arbeit frei, packte Jonny ein und wir fuhren 600 km nach Bayern. Um 21:00 Uhr dort angekommen, hat mich fast der Schlag getroffen. Ein Haus mitten im Wald, 3-jähriges Kind, Grundstück nicht eingezäunt, Frau G., überfordert und hilflos. Pipi war bereits montagsmorgen weg! Also nur 12 Stunden nachdem er dort erst angekommen war. Man hatte Frau G. mehrmals gesagt, dass Pipi, als Straßenhund, gerne seinen eigenen Weg geht, es wichtig sei, ihm ein Sicherheitshalsband anzulegen und doppelt zu sichern. Mir erklärte Frau G., Pipi hätte sich erschrocken weil plötzlich ein Reh aufgetaucht sei und hätte so sehr gezogen das die „neue“ Leine gerissen sei.

Pipi wurde mehrmals gesichtet. Diese Sichtungspunkte sind wir in der Nacht abgefahren, bzw. gegangen, gesucht, gerufen, Jonny hat fleißig geholfen, kein Erfolg. Er wurde in einem Nachbarort am Lidl-Parkplatz gesehen. Wir hatten ihn um ca. 5 Minuten verpasst. Ich legte etwas von seinem Futter aus, das ich mitgebracht hatte. Gegen 2:00 Uhr unterbrachen wir die Suche. Gegen 4:30 Uhr ging ich abermals mit Jonny in den Wald. Kurz nach 5 Uhr hörte Jonny etwas, es war Pipi!

Er ging mir nicht mehr von der Seite, ein Stück Schnur einer Rollleine hing noch an seinem „Würgehalsband“.

Nachdem ich den Sachverhalt dem Verein mitgeteilt hatte, fragte man mich ob ich Pipi nicht adoptieren wolle. Nun, eigentlich wollte ich keinen zweiten Hund. Aber aus der Situation heraus entschied ich mich Pipi zu behalten. Er ließ sich von mir freudestrahlend ins Auto setzen, legte sich zufrieden hin und wir fuhren nach Hause.

Adoptionspapiere habe ich nie erhalten. Sie fragen sich warum? Tja, das sind "Tierschutzvereine", selbstherrlich geführt mit einem gewissen Hang zum Größenwahn. Es stand wegen der Hündin Lucie etwas später ein Rechtsstreit an, daher kann man mir keinen Hund zur Adoption geben! So die Worte der ersten Vorsitzenden des Vereins.