Lucie´s Ankunft und ihr Verhalten

Als Lucie bei mir am 10.11.13 ankam, hatte sie kein Sicherheitsgeschirr an sondern ein ganz normales Halsband. Dieses war so eng angelegt, das ich mal gerade meinen kleinen Finger dazwischen quetschen konnte. Man sagte mir zwar, dass Lucie nicht spazieren gehen könne, dies bezog ich aber logischerweise auf die Brüche. Am ersten Morgen wollte ich sie zum entleeren erst mal in den Garten bringen: ich legte eine Leine an und hob sie nach draußen. Erst war sie wie versteinert, im Garten angekommen bekam sie Panik, sie stank aus allen Poren! Augen weit aufgerissen machte sie alles unter sich was aus einem Hund raus kommen kann! Urin, Speichel….. panische Angst vor mir, sie wollte weg. Durch das enge Halsband fing sie an zu würgen. Ich lasse dummerweise die Leine los und sie versteckte sich.

Ich ging dann erst mal rein, zog mich um und ging mit den anderen Vierbeinern mal gassi. Als ich nach ca. 20 Min. zurück kam, war Lucie noch immer im Garten, in ihrem Versteck. Ich ließ sie in Ruhe, ließ die Türe auf und fuhr einkaufen. Als ich wieder kam, hatte sie sich zu den anderen Vierbeinern gesellt, zog sich aber sofort in eine Ecke zurück.

Ich hatte schon sehr viele Hunde und auch Katzen, bin schon als Kind mit zur Schutzhundausbildung gegangen, aber hier war mir sofort klar, ich komme alleine nicht weiter, ich brauche Hilfe, rief also direkt einen mir bekannten Hundetrainer an und vereinbarte einen Termin für den 26.11.2013.

2.+ 3.ter Tag, 12.-13.11.2013 Lucie hat Angst in den Garten zu gehen. Sie entleert sich in einer Ecke. Gut das ich alle Böden gefliest habe.

In der Nacht ist sie mobil…. Meine Sessel haben es hinter sich. (Bild)

4.ter Tag, 14.11.2013 nach Möbel umstellen, wagt sie sich raus. Beachboy-Pipi zeigt es ihr. Man kann noch nicht auf sie zugehen.

5.ter Tag, 15.11.2013 wenn sie auf ihrem Platz liegt, frißt sie aus der Hand meiner Nachbarin.

6.ter Tag, 16.11.2013 möchte mit spazieren gehen wenn ich die anderen „anziehe“, bleibt aber 5 m zurück und sobald ich die Haustüre öffne, flieht sie in ihre Sicherheitszone.

7.ter Tag, 17.11.2013 sie holt sich ein Leckerchen in der Küche, nimmt es aus meiner Hand (hat sie bis dahin verweigert und nur von meiner Nachbarin genommen), sie hat mir wohl den ersten morgen nicht so schnell verziehen.

8.ter Tag, 18.11.2013 sie guckt wo ich hingehe wenn ich den Raum verlasse, ein Lichtblick!

Es ist Winter und es ist kalt draußen, ich kann nicht den ganzen Tag die Wohnzimmertüre auflassen, Lucie meldet sich nicht wenn sie raus möchte, sie dachte wahrscheinlich: „also wenn ich hier mal die bodenlangen Gardinen kürze, geht vielleicht die Türe auf?!“ (Bild)

10.ter Tag, 20.11.2013 sie freut sich wenn ich heimkomme, ich natürlich auch!

15.ter Tag, 25.11.2013 Lucie hat das erste Mal mit mir gespielt…. Autsch! Ich hatte unzählige grüne und blaue Flecken! Aber ich spielte immer wieder mit ihr. Sie wird lernen, Menschen nicht so feste zu beissen!

16.ter Tag, 26.11.2013 Besuch Hundetrainer, Leine/Halsband/Panikattacke, sie macht unter sich und speichelt.

17.-19.ter Tag, wir üben 3 mal täglich, Halsband an, Halsband aus, wir laufen in meinem Wohnzimmer hin und her und um den Esszimmertisch herum. Abstand zu mir wird immer kürzer, Lucie lernt zu vertauen.

20.ter Tag, 30.11.2013 Wir fangen an auch in den Garten zu gehen. Haustüre: Panik! Wir gehen durch die Gartentüre vor das Haus, Unsicherheit, sie quetscht sich an mich, kommen wir der Gartentüre näher, flüchten wir schnell rein. (Video) Türschwelle übertreten übten wir 2 Tage 2 x täglich.

23.ter Tag, 03.12.2013 Lucie stellt sich in die Reihe zum anleinen und möchte mit spazieren, wedelnde Rute, erhobener Kopf, Stolz! (und ich natürlich auch!) Und das, wo wir einen Tag vorher noch in der Frankfurter Klinik waren.

Das erste Mal seit Lucie in Deutschland ist, also seit über 2 Monaten, geht sie mit ihrem Rudel spazieren! Sie hat Angst vor Menschen, ist vorsichtig bei Sperrgittern/Pfosten, sie hat keine Angst vor Autos! (Video vom 12.01.14) Es hat Wochen gedauert bis Lucie sich an Mülltonnen gewöhnt hatte, wenn diese Montags an der Straße stehen um geleert zu werden.

Und wie beim Menschen ist es auch bei Tieren: ist man mit sich und der Umwelt nicht zufrieden, fühlt sich unwohl, hat Angst, heilt jede Krankheit langsamer! Wenn sie nicht mehr laufen kann, wegen der Schmerzen, legte sie sich hin. Weit konnten wir nicht gehen aber die kurzen Spaziergänge haben Lucie enorm viel Selbstbewusstsein zurück gegeben.

Wer schon die Vorgeschichte gelesen hat, weiß schon, dass ich ja noch 3 weitere Hunde hatte: Pipi, Jonny und meine Luna!

Pipi war ein sehr lieber Hund, er hatte nicht wirklich viele Unarten, die abzugewöhnen waren: er war nur nicht so sauber wie man sich es von einem Haustier erwünscht und hebte unverhofft sein Bein an Sessel, Stühle oder sonst. Möbel. Beim Fressen durfte kein anderer Hund an seinen Napf. Bei Langeweile liebte er meine Schuhe oder knabberte an Stühlen! Dagegen war Jonny ein rasantes "Wildschwein". Er musste überall dabei sein und man konnte nichts hoch genug vor ihm in Sicherheit bringen. (Bildergalerie)

Und obwohl er nur Flausen im Kopf hatte, war er ein wirklich toller Hund, war überaus freundlich zu Menschen und anderen Tieren (Katzen, Kaninchen) und zeigte schon nach kurzer Zeit ein sehr hohes Maß an Treue. Nachdem er gelernt hatte, nicht nur im Kreis zu laufen, lief er meist vorraus. Eines Tages kam uns Eddy mit seinem Frauchen entgegen, Eddy ist eine junge deutsche Dogge und verteidigt gerne sein Revier und auch sein Frauchen. Jonny kam nach Eddy´s Meinung offensittlich seinem Frauchen zu nah, Eddy ging auf ihn los, nicht bösartig, aber eben nicht so nett. Jonny bekam Angst und lief was das Zeug hält. Ungefähr 250 m weiter standen 3 Bäume, er lief dahinter und versteckte sich dort wie ein kleines Kind und äugte immer wieder hinter dem Baum hervor. Schade, das ich keine Kamera mit hatte. Es sah so lustig aus wie der Kopf immer wieder vor kam und er spingste. Ich unterhielt mich ein wenig mit Eddy´s Frauchen und wir setzen den Spaziergang gemeinsam fort. Jonny traute sich hinter den Bäumen wieder vor und kam im großen Bogen hinter mich..... dabei immer Eddy beobachtend. Er klebte an meinem Bein und wenn Eddy sich zu ihm drehte, schaute Jonny mich an als wolle er sagen: du hilfst mir doch, oder?

Die Spaziergänge waren immer sehr interessant, 4 Hunde: ein normaler, eine mit 2 gebrochenen Beinen, ein "Wildschwein" und ein hübscher zurückhaltender Hund. Wenn wir kamen, gingen andere! War ja weiter nicht schlimm, die vier konnten ja miteinander spielen. Meine Nachbarin war sehr begeistert wenn sie mit den Hundis gegangen war, ihre Worte: Ppffffhhhh, bin wieder da......... Wäre alles gut, wenn das Wildschwein unterwegs nicht auf einmal wieder diese Spielattacke mit Pipi anzetteln würde.... Ohne Geschirr könnte ich die nicht halten.......habe das Gefühl, ich hätte wieder beide Arme ausgekugelt... ...und hoffentlich hat das wieder keiner gesehen... ...ich wollte noch Leckerchen zum Ablenken mitnehmen, habe ich aber vergessen....

Und dabei muss man sagen, dass sie nur mit 2en gegangen ist! Ich musste auf jeden Fall lachen und sagte ihr: dann bekommst du auch mal Muckis in den Armen!